Doping


Doping
Do|ping ['do:pɪŋ], das; -s, -s:
Anwendung von unerlaubten Mitteln zur Steigerung der sportlichen Leistung:
einen Läufer wegen Doping disqualifizieren.

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Do|ping 〈n. 15; Sp.〉 unerlaubte Anwendung von leistungssteigernden Mitteln vor Wettkämpfen [engl.]

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Do|ping [zu Dope], das; -s, -s; Syn.: Dopen:
1) in Leistungswettkämpfen von Sportlern oder Wettkampftieren Bez. für die unerlaubte Einverleibung leistungssteigernder Mittel (Dopingmittel, Jargon: Dope);
2) in der Halbleitertechnik Syn. für Dotierung.

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Do|ping ['doʊpɪŋ, auch: 'do:pɪŋ], das; -s, -s [engl. doping]:
Anwendung verbotener Substanzen (od. Methoden) zur [vorübergehenden] Steigerung der sportlichen Leistung:
der Sprinter wurde wegen -s disqualifiziert.

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I
Doping,
 
englische Bezeichnung für Dotierung, d. h. das Einbringen von Fremdatomen in einen Halbleiter, um seine elektrische Leitfähigkeit zu ändern.
II
Doping
 
['dɔ-, 'doː-, englisch] das, -s/-s, eine allen wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Definition wird aus somatisch-psychisch-juristischen Gründen niemals möglich sein. Daher definiert man pragmatisch: Doping beinhaltet den Versuch der körperlichen Leistungssteigerung mit chemischen, pharmakologischen oder physikalischen Methoden, die nach der Liste des betreffenden Sportfachverbandes oder des Internationalen Olympischen Komitees verboten sind.
 
 Historischer Rückblick
 
Das Wort »dope« lässt sich auf einen in Südafrika gesprochenen Kafferndialekt zurückführen. Es handelt sich um einen hochprozentigen selbstgebrauten Schnaps, der bei Kulthandlungen als Stimulans diente. In einem englischen Wörterbuch taucht das Wort Doping erstmals 1869 auf, definiert als eine Mischung aus Opium und Narkotika für die heimliche Benutzung bei Pferderennen. Dopingmethoden zur Leistungssteigerung von Pferden wurden aus Großbritannien im 19. Jahrhundert bekannt.
 
Dopingmaßnahmen sind Jahrtausende alt. So berichtet Plinius, dass Läufer nach einem 24-stündigen Fasten 3 Tage lang vor dem Rennen einen abgekochten Saft von Schachtelhalm zu sich nahmen. Philostratos wie auch Galen schreiben über die Einnahme von Kräutern, Pilzen und Stierhoden zur Leistungssteigerung.
 
1865 wurde bei Kanalschwimmern in Amsterdam von einer Drogeneinnahme zwecks Leistungssteigerung berichtet, und in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts gehörten bei den schon damals gefahrenen 6-Tage-Radrennen in Paris die so genannten »schnellen Pullen« zum Rennfahrerreservoir, zusammengesetzt aus den verschiedensten Wundermitteln.
 
Die Wiederbegründung der Olympischen Spiele 1896 legte den Grundstein zu einem gigantischen biologischen Experiment mit dem Menschen. Es führte ihn dank der Eigengesetzlichkeit des Hochleistungssports nach einigen Jahrzehnten in den biologischen Grenzbereich seiner Leistungsfähigkeit. Zwangsläufig wurden nach Erreichen dieses Status neue Möglichkeiten ungenutzter Art zur zusätzlichen Leistungssteigerung gesucht. Immer mehr drängte sich dazu die Anwendung pharmakologischer Substanzen auf.
 
1935 wurde das männliche Geschlechtshormon Testosteron isoliert und chemisch dargestellt. Bei kastrierten Hunden beobachtete man eine Zunahme des Körpergewichts nach Behandlung mit Testosteron. 1938 stellte man bei älteren Männern eine körperliche Leistungssteigerung nach Gabe männlicher Geschlechtshormone fest. Nun mehrten sich Befunde dieser Art in den nachfolgenden Jahren, v. a. auch Informationen über ein verstärktes Muskelwachstum. 1939 wurde erstmals Geschlechtshormon zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit des Menschen empfohlen. 1954 berichtete der Mannschaftsarzt der amerikanischen Gewichtheber-Nationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften in Wien, dass sowjetische Gewichtheber mit Testosteroninjektionen arbeiten würden.
 
Der entscheidende wissenschaftliche Durchbruch gelang 1958 dem schweizerischenPharmaunternehmen Ciba-Geigy AG mit der Herstellung des ersten Anabolikums (Dianabol®, Methandrostenolon). Mit diesem Präparat wurde die Absicht verfolgt (im Unterschied zum Testosteron) keine sexuellen Effekte, sondern nur einen anabolen (muskelwachstumsfördernden) Einfluss beim Patienten zu entfalten. Vollständig ist dies niemals gelungen.
 
Mit der Entwicklung der Anabolika begann eine neue Ära im Dopingbereich. Immer mehr biochemische Substanzen wurden entdeckt und pharmakologisch verarbeitet, die entweder als Nebeneffekt (das trifft auf die meisten zu) oder als Ziel die menschliche Leistungskraft fördern sollen.
 
 Die verbotenen Wirkstoffgruppen und Methoden
 
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erarbeitete 1989 einen Katalog über verbotene Substanzen und Methoden. In den nachfolgenden Jahren wurde er regelmäßig aktualisiert.
 
Zu den verbotenen Wirkstoffgruppen gehören Stimulanzien, Narkotika, anabole Wirkstoffe (Anabolika), Diuretika, Peptidhormone und Analoge.
 
Die verbotenen Methoden umfassen Blutdoping sowie pharmakologische, chemische und physikalische Manipulationen. Die verbotenen Methoden beinhalten den Gebrauch von Substanzen und Techniken, die eine Veränderung der Unversehrtheit und der Rechtsgültigkeit der für Dopingkontrollen verwendeten Harn- und Blutproben herbeiführen.
 
Zu den Wirkstoffgruppen, die nur mit gewissen Einschränkungen zugelassen sind zählen Alkohol, Marihuana, Lokalanästhetika, Corticosteroide und Beta-Rezeptorenblocker.
 
Zu den bekanntesten Stimulanzien gehören Amphetamine, Ephedrin, Kokain und Koffein. Sie sind die eigentlichen Dopingsubstanzen im ehemaligen Sinn des Wortes. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder im Wettkampf eingenommen. Schwerwiegende Zwischenfälle bis hin zu Todesfällen traten in der Vergangenheit auf. Substanzen dieser Kategorie sind mitunter in Husten-, Schnupfen- oder Kreislaufmitteln enthalten, weshalb Arzneimittel mit diesen Substanzen mindestens 3 Tage vor dem Wettkampf abgesetzt oder bei weiter bestehender dringender Indikation durch andere Arzneimittel ersetzt werden müssen.
 
Das ebenfalls auf der Dopingliste verzeichnete Koffein ist immerhin mit einer Höchstmenge von 12 μg/ml im Harn gestattet. Dieser Wert wird im Allgemeinen bei Kaffeegenuss nicht erreicht, sondern nur durch entsprechende Medikamente.
 
Zur Behandlung von Asthma und dem bei Sportlern relativ häufigen Anstrengungsasthma wie auch bei sonstigen Erkrankungen der Atemwege sind bestimmte Inhalationsmittel gestattet. Ein Mannschaftsarzt, der diese Medikamente einem Athleten verschreibt, muss aber der Medizinischen Kommission des IOC ein schriftliches Attest vorlegen.
 
Narkotika bestehen vorwiegend aus Morphin und seinen pharmakologischen Verwandten. Sie wirken als schmerzstillende Mittel. Ihre Nebenwirkungen zeigen sich u. a. in einer Atemdepression sowie bei längerer Anwendung in Abhängigkeit. Schmerzstillende Mittel sind u. a. bei Boxern gefragt, um die Schmerzempfindung zu vermindern. Das Gefahrenpotenzial besteht darin, dass hierdurch Warnsymptome des Körpers nicht wahrgenommen und dadurch schwere Körperschäden verursacht werden können.
 
Bei den anabolen Wirkstoffen ist zu unterscheiden zwischen den androgenen anabolen Steroiden und den Beta-2-Agonisten. In den Zeiten des »Kalten Krieges« zwischen Ost und West war mehr oder weniger jedes Mittel aus politischer Sicht recht, bei internationalen Wettkämpfen dem Gegner aus dem anderen Lager den Rang abzulaufen. Das erleichterte die Ausbreitung der Anabolika. Ein weitgehendes flächendeckendes Dopingsystem mit Anabolika bestand in der ehemaligen DDR. In den alten Bundesländern erfolgte die Anabolikaanwendung weitaus unsystematischer und ungezielter, deshalb aber auch in den Dimensionen heute schlechter beurteilbar als in der dokumentierten Methodik der DDR. Nach juristischen Maßstäben konnte in den alten Bundesländern beim Gebrauch von Anabolika erst dann von Doping gesprochen werden, als erstmals Anabolika auf die Dopingliste des Deutschen Sportbundes (DSB) gesetzt wurden.
 
Die wesentlichste leistungsbezogene Komponente der Anabolika liegt im Muskelwachstum. Es wird die Aktivität von Ribonukleinpolymerasen im Kern von Skelettmuskelzellen hoch signifikant gesteigert. Hierdurch tritt eine verstärkte Proteinproduktion mit Zunahme des Muskelfaserquerschnitts ein. Damit steigt die Muskelkraft.
 
So ist es verständlich, dass die Bedeutung der Anabolika nur im Bereich von Kraft-, Schnellkraft-, Schnelligkeits-, Sprung- und Wurfdisziplinen liegt. Selbst bei diesbezüglichen Weltklassesportlern treten hoch signifikante Leistungssteigerungen auf. Das gilt v. a. für Frauen, da bei ihnen natürlicherweise der Testosterongehalt weitaus niedriger ist als bei Männern und hierdurch der Anabolikaeinsatz einen besonders großen Effekt erzielt.
 
Die einstmal geheim gehaltenen Testbefunde in der ehemaligen DDR beinhalten: Die Steigerungsraten durch Benutzung von Anabolika betrugen nach Stasiakten 10-12 m beim Diskuswurf der Männer, 11-20 m bei dem der Frauen. Die Hammerwerfer sollen um 6-10 m, die Sperwerferinnen um 8-15 m profitiert haben. Im Fünfkampf der Frauen wurde eine etwa 20-prozentige Steigerung der Punktzahl ermittelt. Im 400-m-Lauf der Frauen sind die Differenzen mit 4-5 Sekunden angegeben, beim 800-m-Lauf mit 5-10 Sekunden, beim 1500-m-Lauf mit 7-10 Sekunden. Im 100-m-Lauf der Männer erwartete man einen Gewinn von 0,2-0,4 Sekunden, bei dem der Frauen von 0,4-0,8 Sekunden.
 
Zu den gesundheitlichen Gefahren durch Anabolika gehören Beeinträchtigung der Leberfunktion, unerwünschte Vergrößerung der Herzmuskelmasse mit der Gefahr eines Herzinfarkts, Förderung der Arteriosklerose, Akne, Veränderungen an Geschlechtsorganen, Einschränkung der Libido, Wachstumsstopp bei Jugendlichen, Vermännlichungserscheinungen bei Frauen, depressive und bzw. oder agressive Stimmungsveränderungen.
 
Im Unterschied zu den klassischen Dopingmitteln werden Anabolika ausschließlich in der Trainingsphase eingenommen und einige Wochen vor dem Wettkampf abgesetzt, um nicht entdeckt zu werden. Nachweismethoden konnten in den 1970er-Jahren entwickelt und bis heute stetig verfeinert werden.
 
Die Beta-2-Agonisten sind als Antasthmatika entwickelt worden. Als man ihre anabole Wirkung entdeckte, verwandte man sie in der Tiermast, später anstelle von Anabolika im Hochleistungssport. Die proteinbildende Wirkung dieser Stoffe ist der von anabolen Steroiden gleichzusetzen.
 
Diuretika vergrößern die Harnausscheidung. Dementsprechend werden sie für eine schnelle Gewichtsabnahme bei Kampfsportarten mit Gewichtsklassen eingesetzt. Eine andere Absicht kann die Verminderung von eingenommenen Dopingmitteln in der Harnkonzentrtion sein, um den Nachweis zu verhindern. gesundheitliche Gefahren bestehen durch den Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust bei gleichzeitiger schwerer muskulärer Beanspruchung im direkt nachfolgenden Wettkampf.
 
Von den Peptidhormonen und seinen Analogen sind das Wachstumshormon (somatotropes Hormon, STH, Somatotropin bzw. engl. human growth hormone, HGH) und das Erythropoietin (EPO) am bekanntesten. Der »Umstieg« von Anabolika auf Wachstumshormon ist besonders den verfeinerten Nachweismethoden für Anabolika zuzuschreiben. Auch STH bewirkt eine erhöhte Produktion von endogenen androgenen Steroiden. Es wird deshalb dem Testosteron gleichgestellt. Zu seinen Nebenwirkungen kann eine Größenzunahme von Nase, Kinn, Händen u. a. zählen. Im Unterschied zu den Anabolika wird das Hormon EPO zur Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit eingenommen. In der Niere produziert, ist es verantwortlich für die Steuerung der Entwicklung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Organismus. Letztere sind die Träger des Sauerstoffs im Blut. Ihre Mengenzunahme bewirkt ein vergrößertes Sauerstoffangebot an die arbeitenden Muskelzellen, wodurch die Ausdauerleistungsfähigkeit eindeutig gesteigert wird. In Verbindung mit intensiver körperlicher Trainingsbelastung und damit im Zusammenhang stehenden Flüssigkeitsverlusten neigen die Erythrozyten vermehrt zum Zusammenkleben und damit zum Verschluss von Kapillaren. Sowohl das Gehirn als auch der Herzmuskel können hierdurch besonders gefährdet sein. Einige ungeklärt gebliebene Todesfälle bei Hochleistungssportlern im dritten Lebensjahrzehnt müssen eventuell auf solche Verknüpfungen zurückgeführt werden.
 
Die offizielle Bezeichnung für das Blutdoping heißt Eigenblutrücktransfusion oder Fremdbluttransfusion. Das Blutdoping ist seit den 1950er- Jahren bekannt und wird seit Ende der 1960er-Jahre angewandt. Man entnimmt etwa 1,2 Liter Blut und lässt den Athleten anschließend weitertrainieren. Nach etwa 3 Wochen hat sich der Blutbefund normalisiert. Einige Tage vor dem Wettkampf wird das Konzentrat der in einem Kühlschrank deponierten Erythrozyten rückinfundiert. Hierdurch steigt der Erythrozytengehalt im Blut an und damit erhöht sich die Ausdauerleistungsfähigkeit von Spitzensportlern im Mittel um 4-5 %. Man darf davon ausgehen, dass zahlreiche Weltmeisterschaften z. B. im Skilanglauf, aber auch bei leichtathletischen Langlaufdisziplinen durch Blutdoping entschieden worden sind. Die Gefahren bestehen in erster Linie in der Entstehung eines Lungenödems (lebensbedrohliche Situation) oder einer allergischen Reaktion. Ferner droht eine Schwächung der körpereigenen Abwehr nach der Blutentnahme. Nachweismethoden wurden entwickelt, sie sind jedoch nur durch Blutuntersuchungen anwendbar. Erythropoetin bewirkt ebenfalls eine Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit.
 
pharmakologische, chemische und physikalische Manipulationen dienen ebenfalls als Dopingmethoden. Das geschieht z. B. durch die Infusion von proteinhaltigen Flüssigkeiten zur Vergrößerung der in den Blutgefäßen befindlichen Flüssigkeitsmenge. Bereits hierdurch wird ein nennenswerter Effekt erzielt. Ferner sind Blasenkatheterisierungen mit Harnaustausch oder Verdünnung von Harn bekannt geworden. Ebenso verwerfliche Methoden sind Blutentnahmen vor dem Wiegen, z. B. beim Gewichtheben, um nach Abschluss der Wiegeprozedur das entnommene Blut zu reinfundieren, nachdem in der Zwischenzeit der betreffende Sportler erfolgreich eine Gewichtsklasse tiefer eingestuft worden ist. Auch das Einblasen von Luft in den Darm bei Schwimmern ist vorgekommen.
 
Es gibt auch Wirkstoffgruppen, die nur mit gewissen Einschränkungen zugelassen sind. Bei einigen Sportarten kann es zum Missbrauch von Alkohol kommen, z.B. bei Schießwettbewerben. Die Zielgenauigkeit wird verbessert. Ähnliches gilt für Marihuana. Lokalanästhetika sind bei strenger ärztlicher Indikation gestattet, wenn kein Kokain verwendet wird und die Injektion lokal oder intraartikulär erfolgt. Die Medizinische Kommission des IOC muss informiert werden.
 
Die Corticosteroide wirken hauptsächlich entzündungshemmend und können Euphorie hervorrufen. Ihre Anwendung erfolgt in der Absicht, bei besonders lang dauernden Ausdauerwettbewerben das Durchhaltevermögen zu verbessern. Auch eine verstärkte Ausschöpfung der Kohlenhydratdepots kann hiermit erzielt werden. Die längere Verabfolgung z. B. von Cortison kann zu erheblichen gesundheitlichen Gefahren führen. Diese bestehen in einer Schädigung des Immunsystems mit Auftreten von schlecht beherrschbaren Infektionen, der Entwicklung einer Osteoporose sowie in einer Beeinträchtigung des Langzeitgedächtnisses. Cortison gehört zu den am meisten angewandten Dopingmitteln überhaupt. Es dürfte sich um diejenige Substanz handeln, die den weitaus größten Schaden bis zum heutigen Tag an der Gesundheit von Sportlern verursacht hat. Die systematische Anwendung zur medizinischen Behandlung am Halte- und Bewegungssystem ist erlaubt, aber anzeigepflichtig. Die erwähnten gesundheitlichen Gefahren bestehen in diesem Fall nicht.
 
Die Betarezeptorenblocker (Arzneimittel zur Dämpfung der Herztätigkeit u. a.) werden in Sportarten eingenommen, die in ihrem Leistungsbild von koordinativen Prozessen bestimmt werden (z.B. Schießen, aber auch Motorsport). Die koordinative Leistungsfähigkeit wird stärker als durch den früher hierfür benutzten Alkohol gesteigert, die Pulszahl verringert.
 
Es gibt aber auch künstliche Maßnahmen zur Leistungssteigerung, die erlaubt sind. Das Höhentraining, speziell in Höhen zwischen 2 000 und 3 000 m durchgeführt, vergrößert die Ausdauerleistungsfähigkeit nicht nur in Höhenlagen, sondern auch bei Wettkämpfen in Meereshöhe. Darum gehen oft Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften Höhentrainingslager in dafür geeigneten Sportarten (Ausdauersport) voraus. Mit einem Training unter Sauerstoffmangelbedingungen im Labor lässt sich ebenfalls die Leistungsfähigkeit steigern.
 
Aus wissenschaftlich noch ungeklärten Gründen führt auch das Training unter Einsatz von Sauerstoffatmung im Labor zu einer zusätzlichen Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit unter Normalbedingungen.
 
Ernährungstricks können ebenfalls die Ausdauerleistungsfähigkeit erhöhen. Führt man zunächst eine hoch intensive Belastung im Training durch, um die Kohlenhydratreserven in der Muskulatur und in der Leber weitgehend abzubauen, und deckt anschließend 3 Tage lang den Kalorienbedarf ausschließlich über Kohlenhydrate, so kann sich der Kohlenhydratgehalt der Muskelzelle um 50-100 % erhöhen. Dies führt zu Verbesserungen in der Langzeitausdauer. Eine Spezifikation dieser Methode ist eine über 3 Tage eingehaltene Protein-Fett-Diät nach belastungsbedingter Lehrung der Kohlenhydratdepots, um erst dann die beschriebene Diät durchzuführen. Hierdurch steigt nochmals der Kohlenhydratgehalt in der Muskelzelle an. Auch diese Methoden sind nicht verboten.
 
Es gibt eine Reihe von Wurzelextrakten und Pflanzensäften (u. a. Ginkgobaum), die vielleicht körperliche Leistungsfähigkeit auf wissenschaftlich unbekannten Wegen steigern. Gleiches mag für das seit Jahrzehnten pharmazeutisch hergestellte Kalium-Magnesium-Aspartat gelten, das zumindest bei vielstündigen Ausdauerbelastungen einen leistungssteigernden Effekt zu besitzen scheint.
 
Seit Ende der 1980er-Jahre wird vielfach eine Einnahme von pulverisiertem Kreatin zur Steigerung der Leistungsfähigkeit für Schnellkraftbelastungen über einen Zeitraum von 2-4 oder 8 Sekunden benutzt. Da es nicht auf der Liste der verbotenen Stoffe des IOC steht, ist seine Anwendung erlaubt, obwohl es sich zweifelsfrei inhaltlich um eine Dopingmethode handelt. Der Einsatz erfolgt sowohl in Sprintwettbewerben als auch in Kraftsportarten. gesundheitliche Schädigungen sind bisher nicht bekannt. In den letzten Jahren weiterentwickelte Geräte machen ein elekrisches Krafttraining mit jedem Muskel und in jeder Intensität möglich. Inwieweit hierdurch Muskelzerrungen und -risse günstig oder ungünstig beeinflusst werden können, ist noch unbekannt. Die Methode fällt in einigen Dopinglisten unter physikalische Manipulation und ist dort verboten.
 
 Dopingkontrollen
 
Bis zum Jahr 1988 gab es Dopingkontrollen nur in Verbindung mit Wettkämpfen. Die Verbesserung der Nachweismethoden von Anabolika erlaubte danach die Einführung von Dopingkontrollen im Training. Es handelt sich dabei um die einzige sichere Methode, dem Anabolikamissbrauch vorzubeugen.
 
Die Auswahl der Sportler erfolgt auf Basis der Endplazierung und bzw. oder des Losverfahrens. Jeder Sportler, der einen Gebiets- oder Weltrekord verbessert oder eingestellt hat, wird ebenfalls einer Dopingkontrolle unterzogen.
 
Die Harnproben werden unter Aufsicht entnommen und in 2 Fläschen gefüllt (A- und B-Probe). Diese werden versiegelt und beschriftet. In offiziell hierfür akkreditierten Labors (in Deutschland an der Deutschen Sporthochschule in Köln sowie in Kreischa/Sachsen) werden die Proben untersucht. Bei einem positiven Ergebnis wird im Beisein des Sportlers und eines Offiziellen eine Gegenanalyse vorgenommen. Fällt auch diese positiv aus, wird der überführte Sportler vom Wettbewerb ausgeschlossen oder nachträglich disqualifiziert. Üblicherweise zieht ein solcher Verstoß eine Sanktion nach sich bis hin zur Sperre durch den Fachverband. In einigen Ländern drohen Gefängnisstrafen.
 
Zur Anabolikaanalyse werden die Gaschromatographie in Verbindung mit der Massenspektrometrie angewandt. Für manche benutzten Dopingsubstanzen gibt es aber noch keine zuverlässige Nachweismethode. Man behilft sich deshalb z.B. beim Erythropoetin mit der Bestimmung von Hämatokritwerten im Blut (Prozentsatz der roten Blutkörperchen). Liegt dieser Wert über 50 %, wird der Betreffende nicht zum Wettkampf zugelassen und erhält eine zweiwöchige »Schutzsperre« mit gesundheitlicher Begründung.
 
Der Hämatokritwert kann auch durch außergewöhnliche körperliche Belastungen ansteigen, ohne dass manipuliert worden wäre. Allerdings wird in außergewöhnlich seltenen Fällen ein Wert von 50 erreicht oder überschritten.
 
 
Hierunter versteht man den Ersatz von den durch Training und Wettkampf übermäßig verlorengegangenen Substanzen (Vitamine, Elektrolyte, Spurenelemente oder Nährstoffe). In schnell aufeinanderfolgenden Wettkämpfen und besonders unter extremen Umweltbedingungen (Höhe, Hitze) reicht gegebenenfalls die Regenerationszeit zum Wiederaufbau einer gesundheitlich ungefährlichen Leistungserbringung durch normale Ernährung nicht aus. In diesen Fällen ist es gestattet, die fehlenden Substanzen zu substituieren.
 
 Gründe für das Dopingverbot
 
Eine Reihe von Gründen sprechen gegen das Doping. So wiederspricht es den sportlichen Regeln. Gerade der sportliche Wettkampf aber lebt von der Einhaltung seiner Regeln. Die Nichtbeachtung durch Doping verstößt gegen die Chancengleichheit sowie das dem Sport innewohnende Gebot des Fairplay.
 
Alle chemischen und physikalischen Manipulationen haben Nebenwirkungen, wobei insbesondere die chemischen von gesundheitsschädigendem Charakter sein können. Die Abgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten an Gesunde verstößt gegen die ärztliche Ethik und gegen das Arzneimittelgesetz.
 
Viele Kinder und Jugendliche erwählen sich Spitzensportler zum Idol. Sollten sie erfahren, dass dieses Idol seine Leistungsfähigkeit mit Medikamenten fördert, besteht die Gefahr der Nachahmung. Darüber hinaus könnte eine Seitentür in die Drogenszene eröffnet werden.
 
Das zahlenmäßig größte Dopingproblem betrifft nicht den Hochleistungssport mit seinen Kadersportlern, sondern den Bereich des Bodybuilding. Hochrechnungen zufolge dürften heute in Deutschland einige zehntausend junge Menschen Anabolika einnehmen, obwohl die gesundheitlichen Gefahren, die sich aus der Einnahme ergeben, bekannt sind.
 
 Zukunftsentwicklungen
 
Doping wird es geben, solange es Leistungs- und Hochleistungssport sowie Bodybuilding gibt. mögliche Gegenmaßnahmen beinhalten, dass jeder einem Sportkader zugehörige Athlet sich schriftlich verpflichten sollte, mindestens einmal monatlich für Dopingkontrollen freiwillig zur Verfügung zu stehen. Eine Verweigerung dieser schriftlichen Erklärung sollte den Ausschluss aus dem Kader zur Folge haben.
 
Die Verbände dürfen für Wettkämpfe wie Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften keine zu erzielenden Normen vorschreiben als Voraussetzung zur Berücksichtigung für das nationale Aufgebot, sondern müssen statt dessen mehrere spezielle oder allgemeine Wettkämpfe als Auswahlmodus deklarieren. Hierdurch entfällt der Anreiz für den Athleten, durch Dopingmaßnahmen einmalig eine geforderte Norm zu erfüllen.
 
Die Weltfachverbände sollten in Verbindung mit dem IOC einen Teil der heute beträchtlichen Gewinnsummen aus Spitzensportveranstaltungen in einen international verwalteten Dopingfond einzahlen, der v. a. armen Ländern für eine international geregelte Dopingkontrolle zur Verfügung stehen soll.
 
Die vom Staat (inDeutschland vom Bundesminister des Innern) zur Verfügung gestellten Mittel zur Erforschung der Gesundheits- und Leistungsbeeinflussung durch unterschiedliche körperliche Aktivitäten sollten eine solche Größenordnung erreichen, dass sie mindestens den für die Dopingforschung bereitgestellten Mitteln entsprechen. Der Athlet würde hierdurch die Gewähr erhalten, dass alles getan wird, seine physiologischerweise vorhandene Leistungsfähigkeit voll mobilisieren zu können.
 
 
B. G. Thamm u. W. Katzung: Drogen - legal - illegal (21994);
 M. Donike u. S. Rauth: D.-Kontrollen (21996);
 U. Gutheil: D. Die haftungsrechtl. u. sportrechtl. Verantwortung von Sportler, Trainer, Arzt u. Sportverband (1996);
 
D.: Spitzensport als gesellschaftl. Problem, hg. v. M. Gamper u. a. (2000);
 F. Weiler: D. - Sanktionen, Beweise, Ansprüche (2000);
 J. Kern: Das D.-Problem. Wirkungen u. Nebenwirkungen der D.-Substanzen im Kraft- und Ausdauersport (2002).

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Do|ping, das; -s, -s [engl. doping]: Anwendung verbotener Substanzen zur [vorübergehenden] Steigerung der sportlichen Leistung: der Läufer wurde wegen -s disqualifiziert; Ü Für das D. der Malgesellen stehen ein paar Flaschen Billigsekt bereit (Hörzu 49, 1976, 24).

Universal-Lexikon. 2012.

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